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verweise

BBImg

Neue Illustration

07.02.2010
BBImgFrisch vom Fließband: Wer ist hier dick?
Und weil der Stift grad warm ist:Odin beim Zaubern seines Seidenwerks. Rock'n'Roll!

Neuer Komik: Essmacken

30.12.2009
BBImgNoch ein höchst unpolitischer Komik. Ein Tribut an die fantastischen Pickelhaubenquallen von Kollege Wiesonur.

Neuer Komik: Stangenspargel

23.12.2009
Zwischendurch gibt es auch mal einen neuen Komik. Schaut rein, haut rein!

Julzeit 3/4 - Balders Tod

21.12.2009
Die Sage von Baldrs Tod ist eine echte Weihnachtsgeschichte. In ihr werden die Prozesse in der Natur gegen Jahresende beschrieben, mit den Göttern als Protagonisten und Symbole derjenigen Aspekte des Jahreszeitenwechsels, die für die Menschen besondere Symbolkraft enthalten. Das Drama um Baldr wird in der Liederedda in Baldrs draumar, in der Volospá, der Grímnismál sowie von Snorri beschrieben. Es enthält den Schlüssel zur Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens im germanischen Heidentum.

Wer ist dieser Baldr, über den nur eine Sage existiert und die auch noch fatal für ihn ausgeht? Snorri schreibt:

Ein zweiter Sohn Odins ist Balder, von dem nur Gutes zu berichten ist. Er ist der beste und alle rühmen ihn. Er ist von Gestalt so schön und hell, dass von ihm ein Leuchten ausgeht. [...] Er wohnt an dem Ort, der Breidablik heißt; der ist im Himmel. An diesem Ort kann nichts unrein sein.

Breidablik bedeutet Breitglanz. In der Grímnismál steht dazu in der zwölften Strophe:

Breitglanz heißt der siebente,
dort hat Balder sich
die Halle hingebaut;
auf jener Flur,
der Freveltat
nimmer nahen mag.


Baldr ist der Gott des Lichts und der Reinheit. Er steht für Schönheit und Glanz, für den Sommer, die langen Tage und die hohe Sonne, deren Strahlen sein langes blondes Haar sind. Als Symbol für Schönheit ist Baldr bei allen Wesen beliebt, Götter, Menschen, Tiere, Alben, Zwerge und sogar Riesen. Umso tragischer ist die Geschichte seines Todes, der noch dazu nicht unwartet kommt.

Seit einiger Zeit plagen Balder Alpträume über seinen eigenen nahenden Tod. Óðinn sattelt darauf sein Pferd Sleipnir und reitet ins Totenreich Hel, um eine Vǫlva, eine Seherin, nach der Zukunft zu befragen. Die Vǫlva bestätigt die schlimmen Vorahnungen und sagt den Mord an Balder durch seinen blinden Bruder Hǫðr (Kapuze, engl. hood) voraus. Sie schickt Óðinn wieder heim:

"Reit nun heimwärts!
Des Ruhmes sei froh!
So komme künftig
keiner mir nah,
bis Loki den Leib
löst aus Banden
und der Rater Schicksal
zerschmetternd naht.


Das Schlusswort ist eine Anspielung auf das Ragnarǫk (Rater = Götter), dessen erstes Vorzeichen Baldrs Tod ist. Nach dieser schlimmen Nachricht lässt Frigg, Baldrs Mutter, von allen belebten und unbelebten Dingen auf der Welt Eide schwören, dass die Baldr niemals schaden zufügen werden. Feuer, Wasser, alle Metalle und Steine, die Erde, die Bäume, alle Krankheiten, alle Vierfüßler, Vögel und Giftschlangen geben ihr Versprechen ab. Mit einer Ausnahme: Ein Mistelzweig scheint Frigg noch zu jung, um ihm einen Eid abzuverlangen.
Hierauf machen sich die Asen ein Spaß, mit allen möglichen Gegenständen und Waffen nach Baldr zu werfen und auf ihn einzuschlagen. Doch Loki, der verschlagene Intrigengott, bringt das Geheimnis um den Mistelzweig in Erfahrung. Er holt den Zweig und gibt ihm dem blinden Hǫðr in die Hand, damit dieser damit auf seinen Bruder Baldr schießen kann. Hǫðr trifft, Baldr wird durchbohrt und getötet.
Nach seiner Beisetzung beauftragen die verzweifelten Asen den mutigen Hermóðr (Heermut), einen weiteren Bruder Baldrs, nach Hel zu reiten und der Herrin der Unterwelt Lösegeld für ihn anzubieten. Diese stellt die Bedingung, dass alle Wesen und Dinge auf der Welt Baldrs Tod beweinen müssen. Ansonsten würde sie ihn nicht freilassen.
Dies stellt sich zunächst als kein Problem heraus. Nicht nur Menschen, Tiere, Alben, Zwerge und Riesen beweinen den ewigen Verlust des Reinen und Schönen, sondern auch Steine, Holz und Metall. Die ganze Welt versinkt in tiefster Trauer und einem Vorhang aus Tränen. Alle beteiligen sich, bis auf eine Riesin namens Þǫkk (Zufriedenheit), die sich der Trauer konsequent verweigert. Sie sagt:

Mit trockenen Tränen
wird Thökk beweinen
des Odinssohns Ende.
Nicht tot noch im Leben
tat der Bursche mir Gutes:
Hel behalte, was sie hat.


Þǫkk ist in Wahrheit der verkleidete Loki, der so die letzte Chance auf Baldrs Rückkehr zunichte macht.

Dies ist die Geschichte als Zusammenfassung. Es ist nicht schwer, hier den Hintergrund des germanischen Julfestes zu erkennen. Baldr ist das personifizierte Licht des Sommers, dem nichts und niemand etwas anhaben kann, außer der Dunkelheit selbst, verkörpert durch den blinden Hǫðr. Nach Baldrs Tod verschwindet der Sommer unter die Erde, die Tage werden kürzer und die Sonne steht immer tiefer und leuchtet immer schwächer. Das Licht stirbt, der Jahreszyklus bzw. die Welt neigt sich ihrem Ende endgegen. Baldrs Tod ist allerdings nur dessen Vorzeichen, er verursacht vorerst nur Trauer und Verzweiflung, nicht die Schrecken des Ragnarǫks.

Besonders interessant wird die Sage im Detail. Hǫðr steht für die Dunkelheit und ist mit Baldr verbrüdert. In den Brudermord wird er nicht freiwillig getrieben, nur durch die List des destruktiven Loki begeht er diese Tat. Loki verkörpert sowohl die ungebremste Neugierde, als auch das zerstörerische Feuer. Durch seine Experimentierlust, mit der er den Göttern oft Unglück bringt, testet er das Gerücht um den Mistelzweig und bestätigt damit seine Rolle als wahrer Gegenspieler Baldrs. Nicht die Dunkelheit, sondern die zerstörerischen Flammen sind der wahre Feind des Lichts, in diesem Fall des göttlichen. Hier zeigt sich wieder einmal die Komplexität der Botschaften in heidnischen Märchen, die nur seltenst in das primitive Gut-Böse-Schema zu pressen sind.

Für Baldr verrichten die Asen eine Feuerbestattung auf See, wie für Edelleute üblich, zu der alle Wesen anwesend sind. Allerdings schaffen sie es nicht, das große Schiff Hringhorni vom Strand zu bewegen. Sie rufen deshalb die Riesin Hyrrokkin, die das Schiff mit einem Stoß ins Wasser wuchtet. Durch die rohe Kraft stieben Funken aus den Walzen und das Land erbebt, worüber Þórr, der Riesenjäger, wütend wird und die Riesin beinahe erschlägt. Die anderen Asen halten ihn davon ab.
Vor Trauer stirbt Baldrs Frau Nanna, die mit Baldr auf das Schiff gelegt wird. Óðinn legt den Ring Draupnir (Tröpfler) dazu und flüstert seinem toten Sohn geheimnisvolle Worte ins Ohr. Das Schiff wird angezündet und von Þórr abgestoßen. Dabei wird der Zwerg Litr von Þórr in das Feuer getreten. Ob mit Absicht oder nicht, ist nicht klar.

Baldrs Schiff Hringhorni ist so gewaltig, dass es nur von einer Riesin ins Meer gestoßen werden kann. Dabei schlagen Funken und die Erde erbebt, ein weiteres Vorzeichen des Ragnarǫks. Darauf weißt auch der Name des Schiffes hin. Ringecke oder Ringkante bedeutet, dass im Weltenzyklus eine Grenze erreicht ist und das Schicksal der Welt nun eine neue Wendung erfährt. Baldrs Schiff ist die Erde selbst.

Baldrs Frau Nanna stirbt aus Trauer und wird mit ihm bestattet, genauso wie der Zwerg Litr, der unfreiwillig ins Feuer gestoßen wird. Nanna steht für die blühende Flora, Litr (Farbe) für die hellen Sommerfarben. Beide müssen verschwinden, wenn Balder, das Licht, nicht mehr ist.
Nach dem gescheiterten Versuch Hermóðrs, Baldr und Nanna aus der Unterwelt freizukaufen, gibt Baldr ihm für die Asen den Ring Draupnir mit. Dieser Ring besitzt von nun an die Eigenschaft, dass ihm alle neun Tage acht neue gleich große Ringe abtropfen, ein eindeutiges Fruchtbarkeitssymbol. Nanna schickt Frigg und Fulla, die Muttergöttin und die Göttin des Ackerbaus, einen Teppich (Blumenteppich?) und einen Ring (Symbol für die Zeit). Diese drei Geschenke dienen als Aufmunterung an die Asen, dass Baldr und mit ihm die fruchtbare Zeit wiederkehren werden.

Baldrs Tod bleibt nicht ungerächt. Loki wird gejagt und in Fesseln gelegt, von denen er sich erst zum Ragnarǫk wieder befreien kann. Hǫðr aber ist mit den Asen direkt verwandt und darf deswegen nicht ihrer direkten Blutrache unterliegen. Óðinn spricht mit der Vǫlva:

Odin:
"Schweig nicht, Wölwa!
Ich will dich fragen,
bis alles ich weiß;
weiter sag mir:
Wer heischt Rache
für Hödurs Tat,
bringt zum Brandstoß
Balders Mörder?"

Die Seherin:
"Rinda im Westsaal
Wali gebiert:
nicht wäscht er die Hand,
nicht kämmt er das Haar,
bis Balders Feind
auf dem Brandstoß liegt.


Rindr ist eine Riesin, ihr Name bedeutet die gefrorene Erde des Winters. Sie ist berühmt für ihr kaltes Gemüt und ihre Unnahbarkeit: Jeder Freier, der um ihre Hand erhält, wird von ihr abgewiesen. So ergeht es auch Odin, als er sie aufsucht um die Vohersage der Seherin zu erfüllen. Rindr weist ihn barsch ab und kann erst durch eine Liste Odins zur Heirat bewegt werden: Als sie krank ist, wird sie von ihm geheilt. Ihr Sohn ist Váli, der Auserwählte, der Hǫðr aufsucht und tötet. Baldr ist gerächt.

So wie Baldrs Tod (Tod des Lichts) ein Vorzeichen des Ragnarǫks ist, so ist Hǫðrs Tod (Tod der Dunkelheit) ein Vorzeichen der Auferstehung der Welt und der Rückkehr des Lichts. Nur durch Odins Geschick ist es möglich, die kalte Erde fruchtbar zu machen und sie Váli gebähren zu lassen, der das Gleichgewicht zwischen Licht und Dunkelheit wiederherstellt. Hǫðr und sein Bruder werden in Hel bleiben und den Weltuntergang überstehen. In der neuen, geläuterten Welt werden sie versöhnt aufsteigen und Óðinn Platz an der Spitze einnehmen.

Davon im nächsten Teil "Die Rückkehr des Lichts".

Brautingi
21.12.2000n.Hr.

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Julzeit 2/4 - Alte Bräuche

06.12.2009
Das brennende Sonnenrad steht in der heidnischen Philosophie für ewigen Kreislauf und stetige Erneuerung. Dessen Zweck ist dort die permanente Selbstreinigung (-verbesserung) mit dem Ziel der ultimativen Reinheit. Die Konzepte Ásgarðr (Stadt der Asen) bzw. Ultima Thule (letztes/ nördlichstes Land) sind Verkörperungen dieses Ziels.

Aus der Radsymbolik stammt die Tradition des Julkranzes aus Stroh oder grünen Zweigen, der mit vier Kerzen quasi entflammt wird. Die Kerzen werden nacheinander an den vier Tagen Freyas (Freitag) vor der Sonnenwende angezündet, als Remineszenz an das vergangene Jahr. In der Sonnwendnacht werde alle Lichter und Kerzen im Haus gelöscht, bis auf einer. Mit dieser wird eine fünfte Kerze in der Mitte des Julkranzes enzündet, von der aus alle vier drum herum angesteckt werden. Das Licht ist gestorben und wieder zurückgekehrt, um das neue Jahr einzuläuten.
In einigen Orten Deutschlands (zB. Lügde) existiert sogar noch der jährliche Osterräderlauf, bei dem ein brennendes Wagenrad einen Hügel heruntergerollt wird, als Symbol für die wiederkehrende Sonne. Dieses Ritual wurde früher auch an Weihnachten abgehalten.

Der Julbaum, an dessen Spitze zu Ehren Óðinns ein Speer befestigt wird, stammt ebenso aus heidnischer Tradition. Er symbolisiert Yggdrasill, den Weltenbaum, und damit die Ordnung der Æsir (Asen) in der neuen und alten Welt. Immergrüne Zweige im Haus dienen der Aussicht auf den kommenden Frühling, an sie werden verschiedene Gegenstände gehängt, zB. neun Kugeln als Symbol für die neun Welten, deren festigende Achse der Weltenbaum ist, sowie essbares aus der letzten Ernte als Opfer für ein ertragreiches neues Jahr. In der Ynglingssaga Snorris (Kap. 8) heißt es entsprechend:

Þá skyldi blóta í móti vetri til árs, en at miðjum vetri blóta til gróðrar [...]
Da sollte man opfern gegen den Winter für ein gutes Jahr, und zur Mitte des Winters für Wachstum [...]

Das erste Opfer gilt dem Erntedankfest zu Beginn des Winters, das zweite dem Julfest. Julgelage, Spiele und das Verteilen von Geschenken werden in der Eyrbyggjasaga (Kap. 43), der Egilssaga (Kap. 70) und der Holmverjasaga (Kap. 22) beschrieben. Die Alben werden mit Liedern herbeigesungen, die Verstorbenen mit Geschenken (Nüssen und Früchten) an den Tisch eingeladen. Dort gedenkt man ihnen mit Trinksprüchen während des Jultrinkens (altn. jóladrekka). Die Julzeit war und ist ein Familienfest, um den neuen Jahreszyklus zusammen mit seiner Sippe zu begrüßen.

Neben den Toten und den Alben statten auch die Götter den Menschen einen Besuch ab. Im weißen Mantel und mit weißem Bart kommt Heimdallr, Wächter an der Brücke zu Ásgarðr, und ermahnt die Menschen daran, im kommenden Jahr ihre Verpflichtung an Óðinn nicht zu vergessen. Diese Pflicht ist das Streben nach Selbstverbesserung und das Verrichten ehrenvoller Taten, durch welche allein der Mensch sich seinen Platz an der Seite der Æsir in Valhall verdienen kann. Der Jahreswechsel zur Julzeit ist das symbolische Ragnarok, im neuen Jahr (also in der neuen Welt) ist kein Platz für das Unreine. Daher auch die guten Vorsätze für das kommende Jahr, die einen von schlechten Angewohnheiten befreien sollen.

All dies sind uralte heidnische Bräuche zur Erinnerung an das Prinzip der ewigen Erneuerung. Um diesen Gedanken weiterzutragen erzählten sich die Germanen die Geschichte von Baldr, dem Lichtgott und schönsten der Æsir, der von seinem Blinden Bruder Höðr und dem Feuergott Lóki getötet wird. Sein Tod ist das erste Vorzeichen des nahenden Untergangs der Welt.

Davon im nächsten Teil "Balders Tod".

Brautingi
06.12.2000n.Hr.

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