Hühner, Enten und Propagandacomics
Ein Kommentar zum neuesten Comic von Rechtsaußen
Nicht zu fassen. Offensichtlich ist das Kellerkomik'sche Siegheil-Küken Trendsetter in Sachen politische Satire in Comics. Zum Wahlkampf 2009 haben die Jungen Nationaldemokraten nämlich gleich ein ganzes Comicheft herausgebracht, in dem sie sich mit politisiertem Federvieh ganz selbstironisch auf die Schippe nehmen. Sie wollen zeigen "hey, wir können auch locker", anders kann man sich diese 28-seitige Klischeebombe nicht erklären.Wir erinnern uns noch an Ronny und Tina, die ostdeutschen Helden im Begleitcomic der ersten Schulhof-CD. Ronny (in einer späteren Version Alex) trifft auf ein überfülltes Arbeitsamt, dann auf Zonen-Tina und den NPD-Stand. Schnellkurs in NPD-Ideologie, hart, heftig und stumpf. Wie gewohnt halt.
Der neue rechtsextreme Wahlkampfcomic heißt "Enten gegen Hühner" und versucht sich ein bisschen subtiler. Da ist das friedliche Entenreich, das von den faulen geldgierigen Hühnern überrannt wird. Da sind fleißige aber naive Enten, die sich von den Hühnern das Schwimmen verbieten lassen, bis sie glauben, sie seien selber Hühner. Und schließlich gibt es da noch die schönen Gänse (später Schwäne), die die Hühner entgegen allen Entenwiderstandes herauszuprügeln versuchen, bis sie schließlich der Korruption der Hühner unterliegen und die ganze stolze Entenschar nach Norden auswandert, um ein neues Erpelimperium aufzubauen. Ach ja, und Krähen sind Gangsta-Rapper. Man könnte sagen, hier sei dämliche Judenfeindlichkeit und Extremismus auf jugendgerechtes Format gebracht, wenn der ganze Comic nur nicht in den schmerzvollsten Reimen geschrieben wäre, die jemals durch deutsche Telefonbuchsen gejagt wurden.
Liebe JN, ihr habt eure Optik aufgemotzt, schön für euch und Respekt an den Zeichner. Aber wen wollt ihr erreichen mit "mit Gackern und Schnattern begann es zu rattern: Schäm dich Ente, in die Ecke! Erpelstadt verrecke!"? Warum werden aus Gänsen plötzlich Schwäne? Was haben die Gänse überhaupt mit den Enten zu tun? Und auf wessen Seite ist eigentlich die Biedermeier-Ente mit dem Strickpullover? Plötzlich geht euer Comic in eine zusammenhangslose Reihe von Illustrationen und Symbolsalaten über. Man könnte schon Respekt zollen für die Virtuosität, mit der ihr den Stil historischer Propagandaplakate übernehmt. Aber oh nein, man sieht nur Hühner in Offizierskleidung, Marihuana rauchende schwule Erpel und Gangsta-Krähen, und deswegen kann man leider überhaupt nichts zollen. Und "Faschist" reimt sich leider auch nicht auf "versiehst", sorry.
Spätestens bei "Der Entenmutter kocht das Blut, sie atmet noch geistige Klarheit" muss man jedoch die satirischen Quälitäten dieses Werkes erkennen. Angeblich wollt ihr ja "verführen", "verlocken", "aufmarschieren" und "Parolen schwingen". Dabei wollt ihr nicht einmal verstanden werden. Erst recht nicht als Künstler.
Vielleicht solltet ihr euch in Sachen Wahlkampftaktik lieber an die braven Systemparteien halten. Die wollen weder verlocken noch Parolen schwingen und wissen noch, wie man den Wähler ernst nimmt. Wie zum Beispiel Daniel Meslien mit seinen SPD-Comics.
Ah ne, doch nicht.
Brautingi
(September 2009)
